Der tägliche Reigen ist das wesentliche Element zur ganzheitlichen Förderung der Kinder.

Der Reigen beinhaltet rhythmische Verse und Lieder, welche in darstellerische Bewegung umgesetzt werden.

Hier gibt es vielfältigste Möglichkeiten, z.B. in Form eines Kreisspiels wie Häschen in der Grube, als ein Fingerspiel wie "Dies ist der Daumen" oder eines Liedes wie "Spannenlanger Hansel", bei dem wir die Bewegungen darstellen, die im Lied beschrieben sind.

 

Der Reigen ist bildhaft, rhythmisch und entsprechend der jeweiligen Jahreszeit gestaltet.

Die einzelnen Elemente wechseln sich ab und bauen aufeinander auf, so dass der Reigen zum Beispiel die Geschichte eines Spazierganges durch den Zwergenwald erzählt, mit Hilfe von abwechselnd gesungenen und gesprochenen Teilen.

Der Reigen fördert die sprachliche Kompetenz, die musikalischen Fähigkeiten, Fein- und Grobmotorik, Konzentration und Ausdauer der Kinder.

Er macht sie vertraut mit natürlichen und beruflichen Prozessen.

Zum Beispiel mit der Erntezeit, die Reifeprozesse der verschiedenen Feldfrüchte, das Mähen, Einbringen, Dreschen und Mahlen vom Korn bis hin zur Mehlverarbeitung vom Bäcker.

Des weiteren wird die Gedächtnisfähigkeit der Kinder durch die in der Waldorfpädagogik übliche tägliche Wiederholung (über einen Zeitraum von 3-4 Wochen) desselben Reigens geschult.

Die zukünftigen Schulkinder können meist den kompletten Reigen, der manchmal bis zu 15 Minuten dauert, auswendig darstellen.

An sinnlichen Erfahrungen bietet der Reigen die Schulung des Seh-, Hör-, Gleichgewichts- und Tastsinns an.

Der Sehsinn wird durch das Beobachten der unterschiedlichen Gesten, Mimiken und Bewegungen, sei es des ganzen Körpers oder einzelner Körperteile der Erzieherin angesprochen.

Das Gesehene wird von den Kindern nachgeahmt.

Durch unterschiedlich laute Effekte zur Untermalung einzelner Textpassagen wird das Gehör der Kinder sensibilisiert. (der Igel raschelt leise im Laub, die Pferde galoppieren laut in den Stall, etc.)

Der Gleichgewichtssinn wird z.B. durch das Drehen um die eigene Achse, Stehen wie ein Storch oder Hahn auf einem Bein, Schwanken wie ein Baum im Sturm oder Rückwärtsgehen bei einem Kreisspiel gefördert.

Den Tastsinn entwickeln die Kinder im Reigen beim Blinde-Kuh-Spiel und anderen Spielen.

Diese Spiele werden auch gern draussen im Wald von den Kindern gespielt.

Beim Vorbereiten des Reigens beachten die Erzieherinnen, dass alle Sinne angesprochen werden und legen Schwerpunkte bei der Ästhetik fest.

Ein besonders die Vorschulkinder ansprechendes und förderndes Kreisspiel ist "Laurentia", wobei die Kinder lernen die Abfolge der einzelnen Wochentage, schulen ihre Konzentration durch das Achten auf den Zeitpunkt, wann sie in die Hocke gehen sollen und sie trainieren ihren Körper (besonders die Beine) und ihre Ausdauer durch das mehrmalige Auf und Nieder innerhalb der einzelnen Strophen.

Der Reigen deckt somit auf spielerische Weise und mit Spaß für die Kinder, die im Bildungsplan angesprochenen, fünf signifikanten Lernbereiche im Wesentlichen ab.